Erste Entschleunigung nach 200 Jahren

Seit rund 200 Jahren, seit Beginn der Industrialisierung, erleben wir eine immer stärkere Beschleunigung in allen Bereichen der Gesellschaft. In diesen Tagen werden wir nun Zeuge einer bisher einmaligen, durch politisches Handeln bewirkten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Vollbremsung zum Schutz der Gesundheit. Plötzlich ist der gewohnte Zeitstress-Virus erst einmal gestoppt. Der neue Corona-Virus hat erst einmal alles entschleunigt und jeden zum Virus-Experten gemacht, der sogar schon weiß, dass es für die Mediziner „das“ Virus heißt. Nahezu jeder ist nun dabei, die eigenen verinnerlichten Geschwindigkeitsnormen zu hinterfragen.

Immer mehr Menschen sind auf der Suche nach einem kultivierten Umgang mit der Zeit, nach einer gesunden „ZeitKULTUR“.  Nun stellt man sich gezwungenermaßen ganz neue Fragen:

Wie geht man privat mit seiner quarantänisierten Zeit um?
Wie wird die Zeit der Schüler und der Schule nun gestaltet?
Wie gestalten Familien ihre Zeit zwischen Beruf, Home-Schooling und Kleinkindbetreuung?
Wie empfindet man Zeit bei der Arbeit im Homeoffice?
Wie empfinden Ladenbesitzer die sognannte „freie“ Zeit, in der keine Einnahmen hereinkommen?
Wie erlebt man jetzt die Zeit mit seinem Partner oder seiner Partnerin?
Wie gestaltet man nun seine Urlaubszeit?
Fern-Sehen statt Nah-Sehen!

Eng verknüpft mit den Einschränkungen im Umgang mit der eigenen Zeit sind die Einschränkungen im Umgang mit dem Raum. Abstand halten ist das neue Motto. Und so bietet das Internet die Möglichkeit, Abstand zu halten – mit dem Bildschirm als Abstandhalter. Fern-Sehen ersetzt nun noch stärker das Nah-Sehen! Einkäufe, Konzerte, Ausstellungen, Konferenzen und sogar die Schulstunden verlagern sich ins Internet. Es funktioniert alles weiter, nur digital, ohne Nähe, ohne das Originale, das Menschliche, das Gegenüber zu erleben. Die Frage dahinter ist immer: Wollen wir das wirklich so? Ist es ein Fortschritt oder eine Deformation der Kommunikation? Es wird spannend sein, zu beobachten, wie analog oder digital sich das kulturelle Leben künftig entwickelt.


Jetzt ist jeder Mensch gefragt, einen gesunden, menschlichen Umgang mit der eigenen Zeit zu leben, einen kultivierten Umgang mit der eigenZeit, für den wir die Begriffe „ZEITkultur“  und „eigenZEIT“ geprägt haben. Es geht darum, eine Balance zu finden zwischen dem oft nicht zu vermeidenden Zeitdruck und dem gesunden und immunitätsstärkenden Zeitwohlstand, eine Balance, die wie eine Impfung gegen die ansteckende Zeitbeschleunigung wirken kann.

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