Raus aus Hamsterrad und Tretmühle: Erkenntnisse der Hirnforschung für den Job

„Raus aus Hamsterrad und Tretmühle – und zwar mit starken Argumenten gegenüber dem Chef und selbst bestens motiviert, endlich etwas zu ändern: Die Psychologin  erläutert, was nach den Erkenntnissen der Hirnforschung gegen die sechs größten Nöte,  die Millionen Menschen heute in der Arbeitswelt bedrängen, zu tun ist. Zur unmittelbaren Umsetzung im Arbeitsalltag stattet die Autorin die Leser mit zahlreichen Anregungen und konkreten Tipps aus“ , soweit der Klappentext.

Wer noch nie ein Buch über Zeitmanagement gelesen hat, der bekommt hier einen Zeitmanagement-Aufguss mit fast allen Zeit-Ratschlägen, die „auf dem Markt sind“, und die im günstigsten Fall nur schlagen, im ungünstigsten erschlagen. „Lernen Sie, nein zu sagen! Machen Sie immer wieder kurze Pausen! Tanzen Sie wieder einmal! Das Leben besteht nicht nur aus Arbeit! Lesen Sie ab und zu ein Buch-genießen Sie es!“ Hunderte solcher Tipps, ganz vernünftig und spontan zu sein,  lassen  Leser oder  Leserinnen zurück, die nun endgültig wissen, was sie alles falsch machen, aber nicht ändern können. Zwar fordert die Autorin auf, in kleinen Schritten voranzugehen und sich nicht zu überfordern, aber auch das ist wieder so „vernünftig“, dass es fast nicht auszuhalten ist.  Das Problem ist ja gerade, dass der Mensch, der sich fremdbestimmt wie im Hamsterrad fühlt und dadurch leidet, kein neues Hamsterrad mit fremdbestimmten Aufforderungen braucht, auch wenn sie noch so gut gemeint sind. Erfahrungsgemäß legen Leser/innen Bücher dieser Art sehr schnell frustriert oder gar aggressiv beiseite.

Leider bemüht die Autorin auch noch die Hirnforschung, was zur Zeit besonders im Untertitel immer gut ankommt,  in einer sehr komplexitätsreduzierten und damit oberflächlichen Weise. „Gelingt die Bewältigung von Angst und Stress, so wird Unsicherheit zum Auslöser und Motor für positive Lernprozesse“, so wird der Hirnforscher Gerald Hüther zitiert.  Die Aufforderung heißt also vereinfacht: „Bewältige Angst und Stress, dann geht´s dir besser!“ – als ob das der Zeitsuchende nicht schon selbst gewusst hätte. Hüther gibt keine solchen simplifizierenden Ratschläge, sondern stellt fest, dass nur echte Begeisterung für etwas ganz Eigenes im Hirn kreative und positiv verändernde neue Impulse freisetzt. Diese Begeisterung entsteht aber nicht, indem man sich unter Stress setzt, um „spontan“ und „kreativ“ zu sein.

Die Autorin hat in diesem Buch eine Sammlung von Ratschlägen und Selbsterkundungsfragen erstellt, die wohl weitgehend aus ihrer Praxis als Coach stammen. In manchen Coachinggesprächen mag vielleicht sogar die eine oder andere Frage oder Übung „gepasst“ haben. Ein weiteres solches Buch auf dem Markt aber weckt Hoffnungen, die es nicht erfüllen kann und ist daher irreführend und überflüssig.

 

 

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