Politik & Zeit

Eine Politik, welche Zeitkultur im Blickfeld behält, muss zwangsläufig zukunftsfähige Projekte planen, bei denen das Maß der Beschleunigung nicht aus dem Auge verloren geht, bei denen nicht kurzfristiger Aktionismus das Handeln steuert, sondern umweltgemäße und nachhaltige Wege gesucht werden.

Lebensqualität und Wohlbefinden haben entscheidend damit zu tun, wie Zeit organisiert ist.

Hier ist man zunächst als Individuum gefordert, die Selbstorganisation, das eigene Zeitmanagement, aber auch die individuelle Prioritätensetzung immer wieder zu hinterfragen und eine Zeitbalance zu finden.

Darüber hinaus aber bestimmen auch die Rahmenbedingungen unseres individuellen und sozialen Zeithandelns die Qualität unseres Lebens entscheidend mit.
In der GESELLSCHAFT FÜR ZEITKULTUR ist die Zeit in der Politik und die Politik der Zeit daher ein zentrales Thema.

Konkret geht es darum, wie Eigenzeit und Rhythmen gelebt werden können, wie Arbeitszeiten, Privatzeiten, soziale Zeiten, Zeiten der Medien, der Mobilität oder des Konsums politisch gestaltet werden. Dies berührt auch Fragen der zeitlichen Gestaltung der Generationenverhältnisse sowie der Geschlechterrollen.

Tatsache ist, dass jede politische Entscheidung vor dem Hintergrund einer bestimmten Zeitkultur getroffen wird, wie auch immer diese geartet sein mag. Problematisch wird es dann, wenn diese Zeitkultur nicht mehr von den Entscheidungsträgern wahrgenommen wird, wenn sie sozusagen unbewusst in die Entscheidungen einfließt. Zahlreiche Beispiele politischer Entscheidungen zeigen, dass diese den Faktor Zeit nicht oder nur am Rande einbezogen haben und dann in ein Desaster endeten oder in ein Durcheinander an Nachbesserungen.

Es soll hier zunächst einmal nur angedeutet werden, in welchen Fragen die Zeitkultur in der Politik eine Rolle spielt:

  • Arbeitszeitregelungen (Mehr arbeiten auf Kosten wovon? Finanzieller Wohlstand oder Zeit-Wohlstand?)
  • Ladenschlusszeiten (Einschränken oder freigeben? Wessen Zeiten sind berührt?)
  • Schulzeiten (Wie viele Unterrichtsstunden braucht der Schüler?)
  • Feiertage (Sinnvolle Pause oder unproduktiver Faktor?)
  • Transrapid (Wie sieht die Kosten-Nutzen-Analyse aus für 1 Stunde Zeitgewinn?)
  • Arztbehandlungszeiten (Was wird entlohnt: Die Zeit oder der Maschineneinsatz?)
  • Just-in-time-Produktion (Zeitgewinne und Zeitverluste durch “Lagerhalle Autobahn”?)
  • Schulische Lernzeiten (Warum lernen Kinder immer schneller immer mehr und können immer weniger? Kindergärten verschulen, Grundschulabitur einrichten?)
  • Sommerzeitregelung (Was bringt sie wem wirklich? Welche Nebenwirkungen gibt es?)
  • Regionale Produkte (Erdbeeren zu Weihnachten – Zeitverschiebungen?)
  • usw.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat 2001/02 eine Zeitbudgeterhebung durchführen lassen und im Februar 2004 veröffentlicht.
Die Ergebnisse sind zusammengefasst in einer Schrift, die bezogen werden kann über: www.bmfsfj.de

Die Broschüre ist auch im PDF-Format einzusehen unter: www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Abteilung2/Pdf-Anlagen/wo-bleibt-zeit.pdf

Zeitpolitik berührt natürlich auch die großen politischen Fragen. Hier nur einige Beispiele:

  • Kann man mit einem Krieg Probleme schnell in den Griff kriegen?
  • Wem nützt es und welche Risiken und Nebenwirkungen hat das Versprechen, es werde in kürzester Zeit blühende Landschaften entstehen?
  • Welche langfristigen Folgen haben schnell durchgeführte Aktionen wie z.B. die Rechtschreibreform?

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