Dimensionen der Zeit – Die Entschleunigung unseres Lebens

Im April 2011 fand in der europäischen Akademie Otzenhausen/Saarland das 10.Kolloqium der Stiftung „Forum für Verantwortung“ statt. International renommierte Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen gingen der Frage nach, was Zeit ist, wie wir damit umgehen und ob wir entschleunigt leben können. Warum haben wir so wenig Zeit? Passt Wettbewerb und Entschleunigung überhaupt zusammen?

Dieser Band gibt einen hervorragenden interdisziplinären Überbl ick über die Phänomene der Zeit: Geschichte der Zeit (Karlheinz Geißler) – Warum entschleunigen (Hartmut Rosa) – Benediktinisches Leben (Ansgar Schmidt)  – Zeit in den Naturwissenschaften (Ernst Peter Fischer)  – Chronobiologische Erkenntnisse (Till Roenneberg) – Geisteswissenschaftliche Perspektiven (Volker Gerhardt)  Zeitstrukturen in der Moderne (Fritz Reheis)- Zeit in der Bildung (Peter Euler) – Postfossile Mobilität und Beschleunigung (Martin Held).

Was dieser Band von der bisherigen Zeit-Literatur abhebt, ist, dass erstmals auch Bereiche in den Fokus des Diskurses über Zeit gerückt werden, die bisher gar nicht oder nur peripher berücksichtigt wurden.

Das ist zunächst einmal die Chronobiologie, zu der Till Roenneberg einen Beitrag liefert. Er zeigt auf, „wie der Mensch tickt“ und welchen Einfluss die vielen fremdbestimmten „Taktgeber“ auf uns haben.

Die Glücksforschung rund um die Frage, wann der Mensch glücklicher sei, drehten sich lange Zeit um die Erhöhung des materiellen Wohlstandes.  Dass zum Genuss dieses Wohlstandes aber auch der Genuss eines gewissen Zeitwohlstandes gehört, wenn Glück empfunden wird, beschreibt eindrücklich Mathias Binswanger.

Wie sehr ökologische (Überlebens-)Fragen auch politische Zeitfragen sind, wie sehr der Begriff Nachhaltigkeit den Umgang mit Zeit meint, zeigt Martin Held in seinem Beitrag auf. Mit dem Peak Oil, der bereits längst überschritten ist,  ist eigentlich der Anfang vom Ende der bisherigen Beschleunigungsideologie eingeläutet, und dennoch setzen Politik und Wirtschaft auf „Weiter so“. „Gefragt ist dagegen die aktive, entschlossene Suche nach den “rechten Zeitmaßen“ der postfossilen Zeiten..“(Held). Der Autor zeigt eindringlich am Beispiel der Energiewende auf, wie man derzeit die Beschleunigung mit anderen Mitteln fortsetzt und wieder einmal gezwungen sein wird, verspätet zu reagieren. Wirklich nachhaltiges Wirtschaften, ein angemessener Umgang mit der Zeit, ein (Zeit-) Maßhalten sieht anders aus.

Dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man das komplexe Phänomen Zeit in seinen vielen Dimensionen zwischen zwei Buchdeckeln komprimiert erfassen will. Wie selten sonst kommen hier maßgebende deutsche Zeitexperten zu Wort und wie kaum sonst wird deutlich, wie interdisziplinär das Thema Zeit zu sehen ist.

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